Auf Erfahrungen aufbauen – Information Centre – Research & Innovation

Es gibt viele Faktoren, die die Energieeffizienz von Gebäuden beeinflussen, aber in Simulationen nicht beachtet

Es gibt viele Faktoren, die die Energieeffizienz von Gebäuden beeinflussen, aber in Simulationen nicht beachtet werden können. Daher hat ein EU-finanziertes Projekt praktische Erfahrungen im Bau- und Energiesektor dazu gesammelt, welche Maßnahmen erfolgreich waren – und welche nicht. So entstand enbuibench, eine Plattform, die den Vergleich der Energienutzung in ähnlichen Gebäuden ermöglicht.


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Europa ist für seine wertvolle bebaute Umwelt, zu der viele historische Häuser und schöne Gebäude zählen, bekannt. Ein Blick hinter die Fassade zeigt jedoch, dass viele von ihnen äußerst ineffizient sind. Tatsächlich entfallen 40 % der gesamten in Europa verbrauchten Energie und somit auch 36 % sämtlicher CO2-Emissionen des Kontinents auf seinen Gebäudebestand.

„Maßnahmen, die auf diese Gebäude ausgerichtet sind, stellen eine einfache Möglichkeit dar, unseren CO2-Fußabdruck zu verringern und das Ziel der EU, bis 2050 vollständig CO2-neutral zu sein, zu erreichen“, erläutert Roberto Lollini, Leiter der Forschungsgruppe für energieeffiziente Gebäude des Forschungszentrums EURAC Analysis und Koordinator von ExcEED. „Dazu müssen wir jedoch nicht nur mehr Kenntnisse über den vorhandenen Gebäudebestand erwerben, sondern dieses Wissen auch dazu nutzen, um dessen Eigenschaften und Leistungen über gezielte, genau angepasste Vorgehensweisen zu verbessern.“

Durch eine nahtlose Integration von Daten zu den Charakteristika eines Gebäudes und der damit verbundenen Energieeffizienz in die enbuibench-Plattform sensibilisiert das EU-finanzierte Projekt ExcEED dafür, welche Leistungen unterschiedliche Gebäudetypen in der Praxis erbringen. „Mit der enbuibench-Plattform wandeln wir Daten in Information und Wissen um. Diese können genutzt werden, um die Energieeffizienz zu verbessern und gleichzeitig eine der Gesundheit dienliche und angenehme Umgebung zu schaffen“, fügt Lollini an.

Praktische Erfahrungen

Soll mit architektonischen oder ingenieurtechnischen Mitteln bzw. direkt bei der Umsetzung die Effizienz eines Gebäudes verbessert werden, stützt sich die Konzeption normalerweise auf Simulationen. Obwohl diese Simulationen eine gute Vorstellung über die Gebäudeleistung liefern können, kann diese doch nur als Orientierung dienen.

„Es gibt derart viele Faktoren, die die tatsächliche Leistung beeinflussen und in einer Simulation einfach nicht berücksichtigt werden können“, erläutert Lollini. „An diesem Punkt würden sich dann die praktischen Erfahrungen anderer Interessengruppen aus dem Bauwesen und dem Energiesektor bezüglich der Maßnahmen, die zum Erfolg geführt haben – oder nicht – als unschätzbar wertvoll erweisen.“

Mit der enbuibench-Plattform verfügt Europa nun über ein Rahmenwerk für die Speicherung und Verarbeitung bereits erfasster quantitativer und qualitativer Daten. Diese einzigartige Plattform ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, einschließlich Energiedienstleistern, dem Energiemanagement sowie dem Konstruktionswesen, die Energienutzung ihrer Gebäude zu analysieren und mit der Leistung anderer Gebäude, die ähnliche Charakteristika aufweisen, in Bezug zu setzen.

„Durch die Erhebung verwertbarer Daten zu Konstruktion und Betrieb einer repräsentativen Auswahl neuer und sanierter Gebäude in ganz Europa erhält der Bausektor wertvolle Einblicke in die prognostizierte und tatsächliche Energieeffizienz“, so Lollini. „Hiermit kann auch leicht ermittelt werden, was zu ändern ist. Dies wiederum führt nicht nur zu optimierten Konstruktionsmethoden, sondern auch zu besseren Umweltschutzverfahren.“

Den Stand der Technik voranbringen

Wer die enbuibench-Plattform nutzt, erhält die Möglichkeit, die Energie- und Komfortdaten eines Gebäudes zu visualisieren, einen Einblick in die Entwicklungen bei der Energieeffizienz zu nehmen und Vergleiche zur Gebäudeleistung anhand 27 genau definierter maßgeblicher Leistungsindikatoren vorzunehmen – und das sind nur einige ihrer Kernfunktionen. Für die Praxis bedeutet das, dass das Energiemanagement die Plattform bei der Berichterstattung über die Energieeffizienz eines Gebäudes verwenden kann.

„Dank ExcEED konnten wir die Archivierung der Energieberichte automatisieren, wodurch das Energiemanagement ineffiziente Gebäudebetriebsarten künftig einfacher vermeiden kann“, merkt Lollini an. „Die Plattform liefert ihm zudem wichtige Informationen aus einem Datenbestand zu Gebäuden mit ähnlichen Eigenschaften, welche es bei der Verbesserung der Energieeffizienz einsetzen kann.“

Energiedienstleistern und der Energieberatung bietet die enbuibench-Plattform ähnliche Vorteile. Sie ist übrigens kostenlos verfügbar und wird ständig mit neuen Daten aktualisiert. Die einzige Voraussetzung, die vor der Nutzung erfüllt werden muss, ist es, zunächst die eigenen Gebäudedaten hochzuladen.

„Es steht außer Frage, dass diese Plattform das Potenzial hat, technische Verfahren für den Bereich energieeffiziente Gebäude voranzubringen“, ergänzt Lollini. „Deshalb werden wir weiterhin für ihre Nutzung werben und uns für ihre Weiterverbreitung einsetzen.“

Englische edition des films